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über uns bericht über das blaue wunder

 

Bericht: Richard Färber
Rundschau für den Schwäbischen Wald - Der Kocherbote vom 23.11.2010

Der Blues für Bücherwürmer

 
Luther Allison auf der Titelseite von 'Das Blaue Wunder'. Das Bild wurde in Gaildorf aufgenommen.Der Blues füllt nicht mehr nur die Platten-, sondern auch die Bücherregale. "Das Blaue Wunder" heißt ein neues Buch über den "Blues in deutschen Landen".
Um Gaildorf kommen die Herausgeber nicht herum.

Wieso jetzt plötzlich Osnabrück? Doch, doch, da stehts: In Teil Vier von "Das Blaue Wunder", Rubrik "Regionen und Orte", heißts unter der Überschrift "Warum Osnabrück zur heimlichen Blueshauptstadt Deutschlands aufstieg und Münster daran mitgewirkt hat", dass Osnabrück die heimliche Blueshauptstadt Deutschland ist. Auch die lokale Presse und deutsche Bluesexperten würden diese Meinung teilen, die eigentlich aus Gründen des Marketing salopp in die Welt gesetzt worden sei.

Verfasst hat diese Hymne auf Osnabrück Uwe Zagratzki, der "Das Blaue Wunder" zusammen mit Winfried Siebers herausgegeben hat. Die beiden Akademiker, der Anglist, Amerikanist und Kanadist Zagratzki und der Germanist und Historiker Siebers, sind Mitbegründer der "Osnabrücker Bluesverstärker" und Mitveranstalter der "Osnabrücker Blueslawine" und das erklärt natürlich einiges. Nämlich: Dass der Blues in Deutschland mittlerweile dermaßen präsent ist, dass man sich um den Titel "heimliche Blueshauptstadt" streiten kann - Gaildorf, wo seit 1978 Bluesfeste gefeiert werden, wäre nämlich ebenfalls ein Titelanwärter. Wers nicht glaubt, frage die lokale Presse.

Spaß beiseite: "Das Blaue Wunder" ist bereits die zweite brikettgroße Anthologie über den Blues in Deutschland, die binnen weniger Jahre erschienen ist. Den Anfang machten 2008 Michael Rauhut und Reinhard Lorenz mit "Ich hab den Blues schon etwas länger." Beide Anthologien eint, dass sie die Akteure zu Wort kommen lassen, die Musiker, die Veranstalter, auch Vertreter der nachgeordneten Medien, die häufig selbst wieder Akteure sind. Und weil die Geschichte des Blues in Deutschland noch gar nicht so lange währt, handelt es sich häufig um Zeitzeugen der ersten Stunden - der Blues ist Biographie.

Die Darstellungsformen der beiden Anthologien sind so vielfältig wie die Formen des Blues: Es gibt Essays, Reportagen, Interviews, launische Bemerkungen und profunde Analysen - ein grundlegende Unterschied zwischen den beiden Büchern ist auf den ersten Blick nicht auszumachen.

Wobei man schon gerne wüsste, wie die beiden Werke beziehungsweise ihre Herausgeber eigentlich zueinander stehen. Auffallend ist jedenfalls, dass das Festival, das Lahnstein zu einer der heimlichen Blueshauptstädte Deutschlands gemacht hat, in "Ich hab den Blues schon etwas länger" seitenweise gefeiert, in "Das Blaue Wunder" hingegen launisch abgefrühstückt wird: "Blues pur ist die Bahnhofsunterführung von Oberlahnstein". Und wie ist die Vorwort-Bemerkung Zagratzkis zu verstehen, der "Blues aus deutschen Landen" sei "erst kürzlich in einem Sammelband zum Sammelsurium degradiert" worden? Beziehungsweise: Wer ist gemeint? Einen Titelhinweis sucht man natürlich vergebens.

Völlig unumstritten aber ist in beiden Werken der Rang Gaildorfs, wo das unbestritten älteste Bluesfest Deutschlands gefeiert wird. während sich aber "Ich hab den Blues schon etwas länger" auf wenige, uneingeschränkt euphorische Spalten beschränkt, kommt das Bluesfest in "Das Blaue Wunder" selbst zu Wort. Kulturschmiede-Boss Werner Eichele und Bluesfest-Sprecher Siggi Karcher erläutern die Gründung und die in den Jahren gewachsene Konzeption und hangeln sich dann anhand subjektiv ausgewählter Episoden und Personen durch die Dekaden - vom legendären Auftritt J.B. Huttos über Sherman Robertsons Dauerpräsenz bis hin zum "rumpelstilzlig" um Kontrolle bemühten Manager der "Fabulous Thunderbirds". Angefügt haben sie eine Liste der Bands und Solisten, die bisher beim Bluesfest aufgetreten sind, und die mehr als fünf Seiten umfasst.

Info Das Blaue Wunder. Blues aus deutschen Landen. Herausgegeben von Winfried Siebers und Uwe Zagratzki, Verlag Lumpeter & Lasel, 2010, 540 Seiten, 27,80 Euro. ISBN: 978-3-9812961-5-0.

 

 

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